Armutsrisiko Singleleben
Wenn du als deine Miete pünktlich bezahlen kannst, dein Kühlschrank immer gut gefüllt ist und du dir deinen Urlaub leisten kannst, bist du hierzulande fast schon zu den privilegierten Singles. Denn mehr als 30 Prozent von uns gelten nach den Angaben des Statistischen Bundesamts als armutsgefährdet, weil sie weniger als 1.446 Euro netto im Monat zur Verfügung haben. In der Gesamtbevölkerung ist das Risiko „nur“ halb so hoch. Das hat verschiedene Ursachen.
Als Single ist dein Armutsrisiko fast doppelt so groß wie das der Gesamtbevölkerung.
Zunächst aber eine kurze Erläuterung zu den Zahlen. 1.446 Euro entsprechen 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Erwerbstätigen in Deutschland im Jahr 2025. Wer weniger oder allenfalls gleich viel hat, gilt nach der Definition der EU als armutsgefährdet. Egal, ob das Geld für den Monat reicht oder nicht. Mit anderen Worten: Weder die eigene finanzielle Kompetenz noch externe Faktoren wie Miethöhe und andere finanzielle Verpflichtungen werden berücksichtigt.
Und die Zahlen weisen nach oben. Das verfügbare Einkommen, das die Armutsgrenze markiert, lag im Jahr 2005 noch bei 730 Euro im Monat. 2015 waren es schon 986 Euro, 2022 1.189, 2024 dann 1.381 Euro. Ursächlich dafür sind die steigenden Kosten für Energie und Lebensmittel und vor allem in den Großstädten auch für den Wohnraum. Auf der anderen Seite sank die Arbeitsplatzsicherheit, atypische Beschäftigungsformen nahmen zu, bei den Renten wurde gekürzt und die Sozialversicherungsbeiträge stiegen.

Das Armutsrisiko in Deutschland
Deswegen nimmt der Anteil der Armutsgefährdeten ebenfalls rapide zu. Bei den Singles waren 2005 noch „nur“ gut 22 Prozent betroffen, in der Gesamtbevölkerung waren es damals knapp 15 Prozent. Die Schere geht also auf. Dazu kommt, dass es in Deutschland immer mehr Ein-Personen-Haushalte gibt. Aktuell lebt fast jede fünfte Person allein, vor 20 Jahren war es noch jede sechste. Das klingt nach wenig, ist es aber nicht. Gut fünf Millionen alleinlebende Menschen in Deutschland haben Probleme damit, finanziell über die Runden zu kommen.
Regionale Unterschiede
Wenig verwunderlich ist, dass bei der Armutsgefährdung regionale Unterschiede bestehen. An der Spitze liegt Bremen mit einer Quote von 28,7 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Berlin. Am anderen Ende der Skala liegen Baden-Württemberg mit 13,5 und Bayern mit 12,8 Prozent.
Wenig verwunderlich, dass der Anteil der Beziehenden von Arbeitslosen- und Bürgergeld sich genau umgekehrt verhält. Das soll keine Abwertung der Menschen sein, die Sozialleistungen beziehen, es spiegelt schlicht die Lage am Arbeitsmarkt wider.
Dazu kommt der Beliebtheitsfaktor: In angesagten Großstädten lassen die Mietpreise das Armutsrisiko in die Höhe schnellen. Konventionell betrachtet, sind in Hamburg 15 Prozent der Alleinlebenden armutsgefährdet, unter Einbeziehung der Wohnkosten werden 26,8 Prozent daraus. Oft reicht hier auch ein gutes Gehalt nicht aus, um sich als Alleinverdiener eine eigene Wohnung leisten zu können. Und wenn es gerade so funktioniert, darf nichts schiefgehen.
Das Alter spielt eine Rolle
Das Alter hat an beiden Enden der Skala einen Einfluss aufs Armutsrisiko. Die am stärksten gefährdete Phase ist das junge Erwachsenenalter, in dem wir oft noch in Ausbildung, Studium, irgendwelchen Dauerpraktika oder prekären Beschäftigungen hängen. Hier ist die Gefährdungsquote mit 25 Prozent besonders hoch, der Anteil der Einpersonenhaushalte ist mit knapp 13 Prozent jedoch stark unterdurchschnittlich, weil viele Junge noch bei den Eltern, im Wohnheim oder einer WG leben.
Bis zum 65. Lebensjahr ist das Armutsrisiko mit knapp 15 Prozent gering. Der Anteil der Menschen, die in Einpersonenhaushalten leben, liegt bei etwa 19 Prozent. Hier sorgt ein in der Regel sicheres und oft stetig steigendes Einkommen für mehr materielle Sicherheit, im Falle von Kindern aber auch für erhöhte Belastungen. Diese relative materielle Sicherheit besteht indes nur so lange, wie nicht Arbeitslosigkeit, chronische Erkrankung oder Behinderung dazwischenkommen.
Im Alter steigt das Armutsrisiko wieder bis gegen 20 Prozent. Auch die Anzahl der Einpersonenhaushalte wächst rapide. Mehr als jede dritte Person über 65 Jahren lebt allein, ab 85 Jahren sind es dann fast 56 Prozent. Ursächlich für die Altersarmut ist in erster Linie das Rentenniveau, das bei 48 Prozent des durchschnittlichen Arbeitsentgelts liegt. Dazu kommt häufig, dass Alleinstehende in Wohnungen verbleiben, die nach dem Tod des Partners oder der Partnerin eigentlich viel zu groß und teuer, aber voller Erinnerungen sind.

Die Lage bei unseren Nachbarn
Wenig verwunderlich sieht die Lage hinsichtlich des Anteils von Singles bei unseren (weitgehend) deutschsprachigen Nachbarinnen und Nachbarn aus, auch wenn die Bezugsgrößen in der Alpenrepublik und der Eidgenossenschaft verschieden sind.
Arme Menschen in Österreich
In Österreich galten 2025 15,9 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet, im Jahr davor waren es noch 14,3 Prozent. Die Schwelle, unter der ein Mensch als armutsgefährdet gilt, liegt hier bei 1.827 Euro. Besonders gefährdet sind Pensionistinnen und Pensionisten, erstere fast doppelt so stark wie letztere, was an den meist niedrigen Altersbezügen der Frauen liegt.
Wo keine Pensionsansprüche vorhanden sind, fallen die Zahlen noch deutlicher aus: hier sind mehr als 30 Prozent der Alleinlebenden von Armut gefährdet. Und noch ein Beleg für die Relevanz des Sozialstaats liefert die österreichische Statistik: Gäbe es keine Sozialleistungen, wären ganze 44 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Das Armutsrisiko für uns Singles ist strukturell bedingt. Verantwortlich dafür sind fünf Faktoren.
Die Situation in der Schweiz
Zwar weist die Schweiz im europäischen Vergleich die niedrigsten Armutszahlen aus, allerdings ist sie auch bei den Lebenshaltungskosten die absolute Spitzenreiterin. Eine eidgenössische Besonderheit ist, dass zwei Schwellenwerte berechnet werden: die Armutsgefährdungsgrenze, die im vorletzten Jahr bei 2.645 Franken lag, und die Armutsgrenze, die mit 2.388 Franken angesetzt wird.
Im selben Jahr waren rund 8,4 Prozent der Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen. Am stärksten betroffen waren Einpersonenhaushalte, Menschen in Ein-Eltern-Haushalten, Menschen ohne Berufsabschluss und Arbeitslose. Wenig verwunderlich ist, dass auch in der Eidgenossenschaft das Alter ein Armutsrisiko darstellt. 23,2 Prozent der Rentnerinnen und Rentner sind armutsgefährdet, bei den alleinlebenden sind es gar 30,9 Prozent.

Die Risikofaktoren sind strukturell bedingt
Wie weiter oben schon erwähnt, hat das Armutsrisiko nur selten etwas mit individuellem Versagen zu tun, sondern in erster Linie mit der Sozialstruktur. Dass immer mehr Menschen Singles sind, ist eine Auswirkung der gesellschaftlichen Verschiebung, die im Wertewandel und der Bildungsexpansion ihren Ausgang nahm. Wir heiraten später und seltener, dafür steigen die Scheidungszahlen, wir sind insgesamt wählerischer geworden.
Die Folge davon ist eine stetige Zunahme der Ein-Personen-Haushalte, und das hat Konsequenzen. Wer allein wirtschaftet, verliert die Skaleneffekte, von denen Mehrpersonenhaushalte profitieren. Wir Singles zahlen den Preis für eine Lebensform, egal, ob wir uns für sie entschieden haben oder nicht.
Und wir zahlen oft mehr, als uns lieb ist, selbst wenn wir gut über die Runden kommen. Im englischsprachigen Raum wird diese Mehrbelastung als Singles Tax bezeichnet, obwohl sie keine Steuer im eigentlichen Sinn ist. Sie erklärt einen wesentlichen Teil der Differenz zwischen unserem Einkommen als Single und dem, was uns am Ende des Monats davon übrigbleibt.
Der größte Teil des Unterschieds lässt sich mit fünf Mechanismen erklären.
Fixkosten, die sich nicht teilen lassen
Miete und Nebenkosten, aber auch Telefon- und Internetanschluss, Abos, Versicherungen und Haushaltsgeräte fallen pro Wohnung an. Wenn sie von einer einzigen Person bestritten werden müssen, kommt da einiges zusammen. Das fällt immer dann besonders ins Gewicht, wenn größere Investitionen anstehen, weil etwa die Waschmaschine den Dienst quittiert. Selbst dort, wo es Rücklagen gibt, dürfen bei vielen Menschen keine zwei Extra-Ausgaben zusammenkommen.
Dazu kommt, dass eine kleine Wohnung in der Regel gesamthaft zwar weniger kostet als eine große, wohl aber bezogen auf den Quadratmeter. Gerade in Städten, wo die meisten Singles wohnen, sind Ein- und Zweizimmerwohnungen besonders teuer. Als Folge davon liegt die Pro-Kopf-Belastung für Miete und Nebenkosten bei Einpersonenhaushalten rund ein Drittel über der von Paaren.

Die Steuerlast der Ledigen
Ein zweiter, wesentlicher Faktor ist das deutsche Steuersystem. Verheiratete profitieren vom Ehegattensplitting, das bei ungleich verteilten Paareinkommen besonders stark greift. Dieses Modell stammt aus einer Zeit, in der die Ehe eine Versorgungsgemeinschaft war, der Mann das Geld nach Hause brachte und Frauen allenfalls dazuverdienten, da ihnen die Pflichten im Haushalt oblagen.
Weil die Ehe uns aber immer noch als Soll-Existenz vorgehalten wird, obwohl sie längst nicht mehr die Realität der meisten abbildet, überdauert das Modell dennoch, weil es politisch gewollt ist. Das hat zur Folge, dass auch nicht Verheiratete von dieser Vergünstigung ausgenommen sind, selbst wenn sie lange zusammenleben und gemeinsame Kinder großziehen.
Und so fällt die Abgabenlast drastisch unterschiedlich aus: Wo bei Ledigen durchschnittlich 37,4 Prozent des Bruttoeinkommens an den Fiskus gehen, sind es bei verheirateten Paaren nur 19,7 Prozent. Zum Vergleich: In den OECD-Staaten liegt der Steuer- und Abgabendurchschnitt für Ledige bei 24,9 Prozent, für Verheiratete bei 14,9 Prozent. Dieser Unterschied ist weit mehr als ein symbolischer Betrag. Er schränkt das verfügbare monatliche Einkommen ein und damit die Möglichkeit, Rücklagen etwa für die Altersvorsorge zu bilden.
Die Rentenlücke der Alleinverdienenden
Wie weiter oben schon deutlich wurde, trifft das Armutsrisiko besonders ältere Menschen, und hier vor allem Frauen. Der sogenannte Gender Pension Gap, der Unterschied bei den Alterseinkünften von Männern und Frauen, lag in Deutschland im Jahr 2023 bei 27,1 Prozent, wenn man die Witwenrenten mitrechnet. Allein auf die eigenen Versorgungsansprüche bezogen, liegt die Differenz gar bei 36,9 Prozent.
Dies sind die nachwirkenden Schattenseiten des Modells der bürgerlichen Familie, das den Gelderwerb allein bei den Männern ansiedelte, während die Frauen sich neben dem Haushalt um die Kinder kümmern mussten. Unentgeltlich und ohne Anwartschaften, versteht sich. Viele erlernten oft nicht einmal einen Beruf (oder durften es nicht), da sie von vornherein für die Rolle der Ehefrau vorgesehen waren, was sie auf Helferinnentätigkeiten mit geringem Lohn verwies.
Und das System hat bis heute gravierende Mängel, die nach wie vor eher die Frauen betreffen. Sie sind es, die mehrheitlich für die Kinderbetreuung ihre Karriere unterbrechen, was finanziell nur unzureichend ausgeglichen wird. Als Folge davon waren 20,8 Prozent der Frauen über 65 Jahren im Jahr 2023 von Armut gefährdet, bei den gleichaltrigen Männern waren es lediglich 15,9 Prozent. In Österreich sind 28 Prozent der Pensionistinnen gegen 14 Prozent der Pensionisten armutsgefährdet, in der Schweiz sind es geschlechterübergreifend 31 Prozent.
Die verdeckte Entbehrung
Was oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Armutsgefährdungsquote ein relatives Einkommen misst und nicht die tatsächliche Kaufkraft. Das Statistische Bundesamt erhebt deswegen ergänzend die materielle und soziale Entbehrung.
Gemeint damit ist der den mangelnden finanziellen Ressourcen geschuldete Verzicht auf Güter, Dienstleistungen und sozialen Aktivitäten, die in Europa als normaler Lebensstandard gelten. Der macht sich in der EU an insgesamt 13 Kriterien fest:
- Zahlungsfähigkeit: Können Miete, Hypotheken, Rechnungen für Strom/Gas oder Kreditraten pünktlich bezahlt werden?
- Heizen: Kann die Wohnung angemessen warmgehalten werden?
- Urlaub: Kann in jedem Jahr eine Woche Urlaub an einem anderen Ort als zu Hause verbracht werden?
- Ernährung: Ist an jedem zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einer gleichwertigen vegetarischen Proteinzufuhr möglich?
- Unerwartete Ausgaben: Kann eine unvorhergesehene Ausgabe (z.B. eine kaputte Waschmaschine) aus eigenen Mitteln bestritten werden?
- Auto: Besitzt die Person ein eigenes Auto?
- Möbel: Kann sie abgewohnte oder kaputte Möbel ersetzen?
- Kleidung: Ist sie in der Lage, abgetragene Kleidungsstücke durch neue (nicht gebrauchte) zu ersetzen?
- Schuhe: Sind mindestens zwei Paar passende Schuhe in gutem Zustand vorhanden?
- Taschengeld: Ist es möglich, wöchentlich wenigstens einen kleinen Geldbetrag für sich selbst auszugeben?
- Freizeit: Kann ein Mensch regelmäßig kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten nachgehen?
- Soziale Kontakte: Kann er sich mindestens einmal im Monat mit Freunden oder der Familie zum Essen oder Trinken treffen?
- Internet: Ist ein privater Internetanschluss verfügbar?
Ein Mehrpersonenhaushalt federt Einkommensausfälle gemeinsam ab. Wer allein wirtschaftet, trägt jedes Risiko allein, vom Jobverlust bis zur Rente.
Eine materielle und soziale Entbehrung liegt vor, wenn mindestens fünf der Fragen verneint werden müssen. Sind es sieben und mehr, ist gar von einer erheblichen materiellen und sozialen Entbehrung die Rede. In Deutschland sind davon etwa 5,6 Prozent der Bevölkerung betroffen, in erster Linie Alleinerziehende, Menschen mit geringer Qualifikation und Bezieherinnen und Bezieher von Bürgergeld.
Für Menschen, die allein leben, verschärft sich die Situation drastisch, weil sie im Notfall nicht wenigstens vorübergehend auf ein zweites Einkommen oder die Rücklagen einer anderen Person zurückgreifen können. Wenn dann nicht die eigenen Eltern oder andere Verwandte die Familie auch als Versorgungsgemeinschaft über die Kindheit hinaus begreifen, bleibt oft nur der Weg zum Jobcenter oder Sozialamt, doch der ist steinig.
Lebensbrüche: Trennung, Jobverlust, Krankheit
Besonders deutlich zeigt sich das bei Trennungen und Scheidungen. Auch wenn der Gesetzgeber den finanziellen Ausgleich reguliert, der im Scheidungsfall aus unterschiedlichen Aufgaben- und Einkommensverteilungen resultiert, stellt die Notwendigkeit, plötzlich zwei Haushalte auszustatten und zu führen, eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Nicht ohne Grund zählen die Monate nach einer Trennung zu den finanziell verletzlichsten Momenten im Leben Alleinstehender.
Und auch bei Arbeitslosigkeit oder länger andauernder Krankheit macht sich das Fehlen eines zweiten Einkommens schnell bemerkbar. Arbeitslosen- und Krankengeld betragen nur 60 bis 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens, was schnell eine Lücke ins Budget reißt. So hatten Arbeitslose im Jahr 2025 mit 64,9 Prozent die höchste Armutsgefährdungsquote, wie das Statistische Bundesamt feststellte.

Was du als Einzelperson tun kannst
Fakt ist: Du kannst strukturelle Nachteile nicht durch Selbstdisziplin ausgleichen. Ein paar Stellschrauben finden sich aber, um dein finanzielles Risiko spürbar zu senken, auch wenn dies die überfällige Reform des Steuersystems nicht ersetzt.
Prüfe deine Fixkosten
Die Fixkosten leisten den größten Beitrag zu unserer finanziellen Mehrbelastung. Ein jährlicher Check lohnt sich deswegen gerade bei Verträgen, die automatisch weiterlaufen.
- Wohnung: Prüfe, ob Größe und Lage noch zu deinem Budget passen, insbesondere nach Mieterhöhungen.
- Strom- und Gasanbieter: Grundversorgungstarife sind häufig teurer als Wechseltarife. Bei Letzteren lohnt sich aber ein Blick ins Kleingedruckte.
- Versicherungen: Kündige doppelte oder überflüssige Policen, etwa mehrere Rechtsschutz- oder Unfallversicherungen.
- Abonnements: Gehe Streaming-, Fitness- und Zeitschriftenabos regelmäßig durch und kündige, was du nicht mehr nutzt.
So kannst du leicht mehrere hundert Euro im Jahr sparen, ohne deinen Lebensstandard zu senken. Gute Dienste leisten dir dabei Vergleichsportale, die verschiedene Angebote gegenüberstellen.
Rücklagen als eigene Infrastruktur
Wie oben schon angesprochen, ist es für uns Singles deutlich wichtiger als für Menschen in Paarbeziehungen, ausreichende Rücklagen zu bilden. Damit du hier auf der sicheren Seite bist, solltest du (drei bis) sechs Monatsgehälter auf der hohen Kante haben, auf die du auch kurzfristig zugreifen kannst.
In der Praxis hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, den verfügbaren Anteil deines Einkommens per Dauerauftrag auf ein separates Tagesgeldkonto zu überweisen, das der Bildung genau dieser Rücklage dient. So musst du nicht immer daran denken und reduzierst das Risiko, das Geld für andere Dinge auszugeben.
Wenn du gerade (wieder) ins Berufsleben einsteigst, bleibt dir nichts anderes, als diesen Betrag sukzessive aufzubauen. Umso wichtiger ist es, dass du kontinuierlich dabeibleibst, um ihn anzusparen. Wenn das Konto dann die angestrebte Summe übersteigt, kannst du es immer noch anderweitig investieren. Entweder, indem du es langfristig anlegst oder für ein paar genussvolle Momente im Hier und Jetzt ausgibst.

Altersvorsorge unabhängig gestalten
Die Rentenlücke lässt sich nicht rückwirkend schließen, wohl aber frühzeitig verkleinern. Da die gesetzliche Rente immer weniger ausreichen wird, um uns im Alter wenigstens einen bescheidenen Lebensstandard zu sichern, musst du eine zweite oder gar dritte Säule aufbauen. Etwa über eine betriebliche Altersvorsorge oder Investitionen auf dem Kapitalmarkt.
Entscheidend ist, möglichst früh anzufangen und konsequent zu bleiben. Dank des Zinseszinseffekts wird aus einem geringen Betrag, den du monatlich zur Seite legst, am Ende oft mehr als eine größere Anlage in späteren Jahren. Sinnvoll kann es indes auch sein, zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, da dort das Geld zwar auch nicht sicherer, aber wenigstens unabhängig von den Entwicklungen des Kapitalmarkts ist.
Allerdings ist die Materie komplex, deswegen solltest du dich besser nicht nur auf die Empfehlungen der Vergleichsportale setzen. Gerade, wenn verschiedene Vorsorgearten, also etwa zur gesetzlichen Rentenversicherung noch Riester- und/oder Rürup-Verträge hinzukommen, lohnt sich der Gang zu einer unabhängigen Rentenberatung.
Versicherungsschutz gezielt wählen
Einer der wenigen Vorteile, die wir Singles in finanziellen Dingen haben, ist die Tatsache, dass wir kaum Versicherungen brauchen. Neben der Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Rentenversicherung, falls wir angestellt sind, gibt es nur zwei unverzichtbare Policen: die für die Haftpflicht- und jene für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Gerade Letztere wiegt schwer, weil die staatliche Erwerbsminderungsrente selten zum Lebensunterhalt reicht, egal, wie lange und wie viel wir eingezahlt haben.
Auch bei Versicherungen gilt das Gleiche wie in Rentendingen. Eine unabhängige Beratung verschafft dir den Überblick über deine Möglichkeiten. Hier erfährst du, was du wirklich absichern musst, welche Risiken du nicht abdecken musst und wo du die besten Bedingungen erhältst. Prüfen solltest du auch, ob du etwa über deinen Arbeitgeber günstige Zusatzversicherungen abschließen kannst oder in einer Mitgliedschaft schon Versicherungen eingeschlossen sind.

Die Wohnform durchdenken
Für viele von uns ist das Alleinleben eine bewusste und folgerichtige Entscheidung, keine Notlösung. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten lohnt sich allerdings der kritische Blick darauf, ob deine aktuelle Wohnsituation noch deinen Lebensumständen angemessen ist. Eine kleinere Wohnung in weniger zentraler Lage, der Bezug eines WG-Zimmers oder die Untervermietung eines Zimmers deiner aktuellen Wohnung können für deutliche finanzielle Entlastung sorgen.
Ebenso hilfreich ist die Reduzierung anderer großer Kostenblöcke, etwa für die Fortbewegung. Gerade, wenn du nicht jeden Tag weite Strecken fährst, ist Carsharing statt des eigenen Autos eine gangbare und in den meisten Gegenden verfügbare Alternative. Und wo es keine kommerziellen Angebote gibt, lässt sich das auch auf privater Basis regeln. Ähnlich verhält es sich bei geteilten Abos oder der Leihe von Werkzeugen und Geräten, statt sich diese anzuschaffen.
Die gesellschaftliche Seite
Das Wichtigste ist allerdings, die gesellschaftliche Komponente nicht außer Acht zu lassen. Denn egal, wie konsequent wir sparen, Rücklagen bilden, fürs Alter vorsorgen, die gesellschaftliche Diskriminierung der alleinlebenden Menschen bleibt, obwohl Einpersonenhaushalte in den meisten EU-Staaten mittlerweile die häufigste Haushaltsform sind.
Sozial- und Wohlfahrtsverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz weisen seit vielen Jahren auf die Schieflage hin und fordern Anpassungen, etwa bei der Förderung kleiner Wohnungen und der sozialen Absicherung Alleinlebender, gerade jener mit geringem Einkommen. Dass sich da etwas tun muss, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Wir dürfen auch gern tun, was in unserer Macht steht, um etwas daran zu ändern, etwa, indem wir uns engagieren.
Wie wirkt sich das Alleinleben auf dein Budget aus?
Quellen
Bundesamt für Statistik (BFS): Armut (2024) – Aktuelle Armutsquote, Armutsgefährdungsgrenze und besonders betroffene Bevölkerungsgruppen in der Schweiz, einschließlich Alleinlebender.
Caritas Österreich: Armut in Österreich: Zahlen und Fakten (2026) – Geschlechtsspezifische Aufschlüsselung der Armutsgefährdung Alleinlebender und alleinlebender Pensionistinnen und Pensionisten in Österreich.
Female Finance Forum: Alleinsein hat seinen Preis – Die „Single Tax“ und ihre Folgen (2024) – Einordnung der steuerlichen und finanziellen Mehrbelastung Alleinlebender im OECD-Vergleich, Grundlage für den Abschnitt zur Steuerlast.
Statistik Austria: FAQs zum Thema Armut und soziale Eingliederung, EU-SILC 2025 (2026) – Aktuelle Armutsgefährdungszahlen, -schwellen und -lücken für Österreich, Grundlage für die Zahlen im Länderabschnitt Österreich.
Statistisches Bundesamt (Destatis): 16,1 % der Bevölkerung in Deutschland sind armutsgefährdet (2026) – Aktuelle Armutsgefährdungsquoten nach Haushaltstyp und Erwerbsstatus in Deutschland auf Basis von EU-SILC 2025, Grundlage für die Zahlen zu Alleinlebenden im Artikel.
Statistisches Bundesamt (Destatis): 17 Millionen Menschen in Deutschland leben allein (2025) – Zahl und Anteil der Alleinlebenden in Deutschland sowie deren Armutsgefährdungsquote im Zeitverlauf von 2023 bis 2024.
Statistisches Bundesamt (Destatis): Gender Pension Gap 2023: Alterseinkünfte von Frauen 27,1 % niedriger als die von Männern (2024) – Daten zur geschlechtsspezifischen Rentenlücke und zur Altersarmutsgefährdung von Frauen und Männern ab 65 Jahren.
Alle verlinkten Quellen wurden im September 2026 abgerufen. Die Inhalte geben den Stand der wissenschaftlichen Diskussion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.
Fotos von Meg Aghamyan, Towfiqu barbhuiya, CDC, Vitaly Gariev, Curated Lifestyle, Andrej Lišakov, Sasun Bughdaryan und Tim Mossholder auf Unsplash

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