Spätsommer-Trips
Dem Spätsommer wohnt ein Hauch von Wehmut inne: Die Tage werden kürzer, die große Hitze ist vorüber und die ersten Anzeichen des nahenden Herbstes sind nicht zu übersehen. Dennoch – oder gerade deshalb? – sind für mich die letzten Sommertage die schönste Reisezeit. Hier sind ein paar Anregungen von mir für einen Tag, ein Wochenende oder eine Woche, für Städte, Natur, Kultur und alles dazwischen – ganz, wie es dir beliebt.
Der Spätsommer belohnt diejenigen unter uns, die noch nicht weggefahren sind. Und er belohnt noch einmal die, die erneut fahren.
Im August geht das Licht langsam ins Herbstliche über. Die Farben werden wärmer, die Schatten länger, die besonnten Objekte greifbarer, plastischer. Das ist der Moment, in dem dir klar wird, dass der Spätsommer begonnen hat. Und dieser Zeitraum, in dem es noch warm, aber nicht mehr so heiß ist, gilt zu Recht als einer der schönsten Abschnitte des Reisejahrs.
Brichst du jetzt auf, reist du in eine ganz andere Welt als die des Hochsommers. Die Touristenmassen sind längst nach Hause zurückgekehrt. Die Strände, an denen sich im August kein Platz findet, sind beinahe menschenleer, dabei ist das Wasser noch angenehm warm. Die Bergwege sind ohne Stau begehbar, auf den Terrassen der Hütten findest du einen Platz in der Sonne, die nicht mehr brennt. Die Städte atmen auf, entspannen sich, und mit ihnen die Menschen, die sie bewohnen. Plötzlich sind sie wieder aufmerksam.
Für uns Singles ist der Spätsommer der perfekte Zeitpunkt fürs Reisen, weil wir flexibel sind und uns seinen gelegentlichen Kapriolen anpassen können. Wir können ein freies Wochenende spontan nutzen und auch für einen längeren Urlaub finden wir noch kurzfristig ein Zimmer.
Und dort, wo wir ankommen, können wir uns treiben lassen, etwa entspannt durch Gassen und Museen schlendern, ohne von den Führungen getrieben zu werden. Wir brauchen keine Absprache, keinen Familienkompromiss, keinen wohlabgestimmten Reiseplan. Wir können spontan sein, wonach uns die Lust gerade steht und wo das Wetter gut ist.
Dieser Artikel ist eine Einladung an dich. Eine Sammlung von Orten und Ideen, wie du deine freie Zeit gestalten könntest, wenn du magst. Lass‘ dich inspirieren.

Warum der Spätsommer besser ist als sein Ruf
Für viele Menschen ist die Reisesaison mit dem August abgeschlossen. Dabei hat der September doch so viel zu bieten. Du hältst es länger als fünf Minuten in der Sonne aus. Du siehst Sehenswürdigkeiten, nicht Menschenmassen. Am Strand musst du nicht um einen Platz für dein Handtuch kämpfen und am Frühstücksbuffet im Hotel nicht ums letzte Croissant.
Dafür gibt es so viele Ereignisse, die zu einem Besuch einladen. Die Weinlesen in Südfrankreich und Norditalien. Die Apfelernte in Südtirol, Pilze in den mitteleuropäischen Ländern. Und überall der Hauch des Abschieds, des Wissens, dass all‘ diese Pracht bald ihr Ende findet. Nichts wie hin, nochmal raus, bevor es kalt und trist wird.
Eine Reise im Spätsommer hat ihre ganz eigene Stimmung. Es ist, als atme die Welt einerseits auf und andererseits ganz tief durch, um noch einmal Kraft zu tanken, die schwindende Energie des Sommers zu bewahren. Es ist eine Art Schwebezustand, eine Phase des Innehaltens, und das spiegelt sich im Verhalten der Menschen wider. Es ist, als ob sie innehalten, um das Leben in vollen Zügen zu genießen.
Für einen Tag ist nah gerade weit genug
Ein Tagesausflug erfordert so gut wie keinen Planungsaufwand. Du fährst los, unternimmst etwas, schaust dich um und kehrst zurück. Und doch ist dieser Tag ein bleibendes Erlebnis.
Natur und Bewegung im Wald
In fast jeder Region Mitteleuropas gibt es ein ausgedehntes Waldgebiet. Der Schwarzwald östlich von Freiburg, der Bayerische Wald rund um Grafenau, der Wienerwald in Österreich, der schweizerische Nationalpark. Abhängig von deinem Wohnort sind alle im Rahmen einer Tagesreise, und sie sind im Spätherbst besonders schön, weil sich die Blätter langsam färben, das Licht milder ist und es schon ganz leicht nach dem Herbst riecht.
Reisen im September fühlt sich an wie der Moment nach einer großen Party, wenn die Musik noch läuft und man plötzlich den Raum sehen kann.
Kulinarik und Genuss auf dem Wochenmarkt
Nahezu jede Stadt hat ihren eigenen Wochenmarkt – manche von ihnen einen besonderen. Der berühmteste unter ihnen ist sicher der Viktualienmarkt in München. Hamburg hat den Isemarkt, der sich unter den Viadukten der U-Bahn in Eppendorf erstreckt. Aber auch der Markt auf dem Mannheimer Marktplatz, der Basler Marktplatz am Samstag oder im Sommer der Bregenzer Stadtmarkt laden zum Schauen, Riechen, Probieren und Einkaufen ein. Der Lohn ist ein leckeres Abendessen aus dem, was deine Einkäufe hergeben.
Städte und Architektur: Ein Trip in deine Nachbarstadt
Fast jede Stadt hat eine Nachbarin, die wir immer wieder durchfahren auf dem Weg nach woanders, in der wir aber nur selten innehalten. Dabei sind darunter echte Schätzchen. Konstanz hat etwa Meersburg, Radolfzell, Schaffhausen und Überlingen. Um Stuttgart finden sich Esslingen, Reutlingen, Rottweil und Tübingen. Freiburg hat Colmar, Straßburg und viele pittoreske Orte im Elsass. Lauf durch die Altstadt, setz dich in ein Café und registriere, dass selbst eine nahe fremde Stadt andere Blicke ermöglicht als die eigene.

Ein Wochenende sind zwei Nächte, die tragen
Ein Wochenende ist kurz genug, um spontan aufzubrechen, und doch lang genug, um am Ziel wirklich anzukommen. Du kannst Donnerstagabend buchen, Freitagnachmittag losfahren, am späten Sonntag zurückkehren. Am Ende hast du das Gefühl, als seist du deutlich länger weggewesen.
Kultur und Kunst in Basel
Basel am Rheinknie ist vielleicht die Stadt mit der größten kulturellen Dichte in Europa. Das Kunstmuseum und die Fondation Beyeler beherbergen eine der größten Sammlungen der Welt, das Museum Tinguely zeigt die Werke des Schweizer Künstlers, und kurz hinter der Grenze zu Deutschland liegt auch noch das Vitra-Design-Museum. Die Stadt selbst, malerisch am Rhein gelegen, lädt mit ihren Cafés an der Birsig, dem Münster und dem oben schon erwähnten Wochenmarkt zum Flanieren und Verweilen ein.
Aktiv in der Allgäuer Natur
Wenn die Wandergruppen das Allgäu verlassen haben, ist es, als kämest du in ein ganz anderes Land. Die Hütten sind noch offen, die Kühe noch auf den Almen und die Wege noch gut begehbar. Zwischen Oberstdorf, Sonthofen und dem Kleinwalsertal findest du Wanderrouten unterschiedlicher Dauer und Schwierigkeitsgrade. Besonders schön sind im Spätsommer die Alpenseen, die immer noch warm genug zum Baden sind.
Ob Stadt oder Natur, Gebirge oder Küste: An einem fremden Ort nehmen wir die Welt anders wahr. Das verändert auch unseren Blick auf uns selbst.
Meer und Küste von Triest bis Rovinj
Eine der unterschätztesten Städte des Mittelmeerraums ist Triest mit seinem habsburgischen Erbe, dem italienischen Flair und der slowenischen Kultur des Hinterlands. Reist du weiter, findest du die istrische Küste in einer traumhaften Ruhe, die im Juli und August schlicht nicht möglich wäre. Rovinj, das mögliche Ziel deiner kurzen Reise, ist eine der schönsten Kleinstädte der Adria, und im September siehst du das auch.
Stille und Rückzug im Klosterland Oberschwaben
Zwischen Biberach, Ravensburg und Wangen liegt Oberschwaben, eine Landschaft, die du vielleicht schon oft durchfahren hast, ohne sie je wirklich wahrgenommen zu haben. Die Oberschwäbische Barockstraße verbindet Klöster, Wallfahrtskirchen und Herrensitze. Sie windet sich dabei durch Felder, Wälder, Moore, über denen im Spätsommer eine Stille liegt, die nach einem langen Arbeitsjahr sehr wohltuend sein kann. Besichtigen kannst du etwa das Kloster Beuron im Donautal, das Kloster Birnau am Bodensee, die Basilika Ottobeuren.

Eine Woche ist lang genug, um neu zu sehen
Eine Woche unterwegs zu sein ist kein Kurzausflug mehr, aber auch keine Sache, die viel Vorbereitung braucht. Wir Singles können auch hier spontan sein und die günstigeren Preise für Hotels, Flüge und Bahnfahrten nutzen.
Stadtreise mit Lebensart: Lissabon
Im September ist Lissabon deutlich angenehmer als im Hochsommer. Die Temperaturen liegen noch zwischen 22 und 28 Grad, über den Tejo weht ein frischer Wind in die Stadt, durch die sich keine Menschenmassen mehr winden. Die Miradouros sind wieder zugänglich, die alten Straßenbahnen bieten wieder Sitzplätze und die Tasca-Restaurants in Mouraria und Alfama sind nicht mehr ausgebucht. Das Besondere für uns Singles ist aber die Lebensart: Du fällst nicht auf, wenn du allein unterwegs bist. Und du wirst einbezogen, wenn du offen bist. Bairro Alto, Intendente und LX Factory sind Stadtteile, in denen du vom Kaffee bis zum Konzert einfach alles findest.
Natur und Abenteuer in den Dolomiten
Im September sind die Dolomiten eine ganz besondere Gegend. Die Zirben werden golden, die tiefer stehende Sonne lässt die Schründe der Berge besonders plastisch hervortreten. Du kannst, wenn du willst, von Hütte zu Hütte wandern, denn auch hier sind sie alle noch offen. Wenn du es gemütlicher angehen willst, begehst du einen der Waalwege entlang der historischen Bewässerungskanäle. Oder du befährst die große Dolomitenstraße zwischen Cortina d’Ampezzo und Bozen, die zu Recht als eine der schönsten Panoramarouten Europas gilt. Dazu bietet Südtirol eine Weinkultur, italienische und habsburgische Spuren, alte Städte und eine beeindruckende Vielzahl an Burgen.
Mehrere kurze Urlaube im Jahr fördern unser Wohlbefinden besser als ein einziger langer. Grund genug, auch zwischendurch immer mal wieder aufzubrechen.
Kultur und Geschichte in der Stadt der Städte
Istanbul ist, wie alle Großstädte, viel zu groß für nur eine Woche. Aber sieben Tage reichen aus, um in sie einzutauchen, sich treiben zu lassen und das Leben zu spüren. Da ist der Bosporus mit seinen Fähren und der große Basar mit seinem vielfältigen Angebot. Du kannst auf der Insel Büyükada frühstücken, dann die Hagia Sophia vor den Touristen erkunden und später den Tag in Galata und Karaköy ausklingen lassen. Du kannst dich treiben lassen und kommst überall ins Gespräch. Istanbul nimmt dich auf, wenn du dich darauf einlässt.
Insel und Langsamkeit auf Sardinien
Auf Sardinien ist ein Strandurlaub auch im September noch problemlos möglich. Das Wasser hat 26 Grad und die Stränder zwischen Alghero und dem Golfo di Orosei sind eher überschaubar besucht. Im Hinterland erwarten dich die Barbagia, eine raue Bergregion, die Nuraghen-Ruinen und kleine Bergdörfer, in denen scheinbar die Zeit stillsteht. Und genau das macht die Insel aus. Sardinien ist Entschleunigung. Wenn du dich auf den Rhythmus der Insel einlässt, kehrst du ruhiger zurück.

Was eine gute Spätsommerreise ausmacht
Egal, ob du einen Tag oder eine Woche unterwegs bist, ob du in einer Stadt oder aufs Land fährst, alt oder jung bist: Ein Spätsommer-Trip wird nur dann besonders, wenn wir uns darauf einlassen.
Plane weniger, als du zu müssen glaubst
Wenn du aus Angst vor der Leere deinen ganzen Tag verplanst, verpasst du genau die magischen Momente, die das Reisen ausmachen: Etwa das spontane Gespräch mit dem Menschen am Nachbartisch, die halbe Stunde auf der Bank mit der schönen Aussicht, der Ort, den du nur gefunden hast, weil du spontan in eine Straße abgebogen bist. Plane An- und Abreise, buche eine Unterkunft. Den Rest lass‘ offen.
Allein ankommen
Um allein wirklich anzukommen, musst du offen sein. Offen gegenüber dir selbst, um deine Wünsche wahrzunehmen: Wo will ich hin? Auf was habe ich Appetit? Aber auch gegenüber den anderen: Wen spreche ich an? Wie verhalte ich mich, wenn ich angesprochen werde? Wenn du Begegnungen ermöglichst, wird deine Reise ein Gewinn. Und mit jeder neuen entwickelst du dich weiter.
Das Smartphone ist ein Werkzeug, nicht mehr
Dein Mobiltelefon ist dein Navigator, Übersetzer, Buchungswerkzeug, Fotoapparat und vieles mehr. Was es nicht sein sollte, ist eine Möglichkeit zur Ablenkung von dem Ort, an dem du bist. Wenn du lernst, es gezielt einzusetzen und dann wegzulegen, reist du anders. Du siehst mehr, triffst mehr Menschen. Und du bist näher bei dir selbst.
Die Sprache des Ortes
Du musst keine Sprache fließend sprechen, um sie nutzen zu können. Ein paar Sätze auf Portugiesisch, Kroatisch, Türkisch oder Italienisch machen einen Unterschied, wie die Menschen vor Ort auf dich reagieren. „Haben Sie eine Empfehlung?“ in der Sprache des Landes ist der beste Einstieg in ein Gespräch, das du nicht geplant hast. Wenn du dann auch noch die Antwort verstehst, ist das fast schon perfekt.
Und jetzt?
Die warmen Tage sind gezählt. Irgendwo im Oktober wartet der Herbst, der schneller in den Winter übergeht, als uns lieb ist. Dann kommt die Zeit, in der du dich wehmütig an den September erinnerst, in dem du noch etwas hättest unternehmen können, weil er so schön sonnig und warm war. Hast du aber nicht.
Es sei denn, du beschließt, dieses „Hätte ich nur“ zu vermeiden, indem du dir jetzt, ja, genau jetzt, überlegst, wohin dein Spätsommer-Trip geht. Du brauchst keinen großen Plan, nur einen Entschluss und ein Ticket, wohin auch immer.
Wohin fährst du?
Praktische Infos für Spätsommer-Trips
Bahn und Mobilität
Interrail Global Pass (ab 28 Jahren): Flexibel für Mehrland-Reisen, ab September oft günstiger. Deutschlandticket: 63 €/Monat, alle Nahverkehrsmittel. Ländertickets: ideal für Tages- und Wochenendausflüge. ÖBB Vorteilscard: für regelmäßige Reisende aus Österreich unschlagbar. Swiss Travel Pass: Gilt für eine wählbare Anzahl von Tagen, eine Vielzahl von Museen und Seilbahnen sind inbegriffen.
Unterkunft
Booking.com und Airbnb für kurzfristige Buchungen. Komoot und HikeUp für Hütten-Reservierungen in den Alpen. Ecobnb für nachhaltige Unterkünfte. Klosterportal: oft günstig, ruhig, überraschend schön, keine Religionszugehörigkeit erforderlich.
Alleinreisen und Community
Meetup.com: lokale Gruppen und Events an fast jedem Reiseziel. Couchsurfing Hangouts (App): auch ohne Gastgeber-Funktion gute Möglichkeit, Menschen zu treffen. Adamare, Singlereisen und andere: organisierte Gruppenreisen für Aktivreisende. Solo Travel Society (Facebook-Gruppe): 300.000+ Mitglieder, aktive Diskussion, gute Tipps.
Apps und Werkzeuge
Komoot: Wanderrouten-Planung, auch offline. Rome2Rio: Routenvergleich für alle Verkehrsmittel. Google Translate mit Kamera-Funktion: für Menüs, Schilder, Speisekarten. Polarsteps: Reisetagebuch, der du, und andere, folgen kannst.
Alle verlinkten Quellen wurden im Juli 2026 abgerufen.
Foto von Lawrence Krowdeed, Heike Trautmann, Anna Stampfli, Patrick Pahlke und Massimo Virgilio auf Unsplash

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